Ist die Hotelfachausbildung nur noch eine Subventionierung maroder Hotelbetriebe?

Immer mal wieder kommt es in den Medien hoch, dass die Ausbildung in der Hotellerie und Gastronomie am unbeliebtesten ist und die höchsten Abbrecherquoten hat. Wenn man sich so manche „Horrornachrichten“ anhört oder auf kununu.com umschaut, muss man sich nicht wundern. Allerdings: Die klassische Hotelfachausbildung ist in meinen Augen heute oftmals nicht mehr zeitgemäß und überflüssig. Für unsere Art der Hotellerie, die ja weiter Marktanteile einnehmen wird, bedarf es nicht dieser veralteten Ausbildung. Vor allem in den Berufsschulen sitzen heute oftmals Lehrer, die mit den Herausforderungen der Gegenwart gar nicht mehr klarkommen, bzw. diese überhaupt verstehen. Die Krise kriege ich unter anderem immer, wenn meine Azubis mich fragen, was denn ein „Wechsel“ sei. Sie hätten das bei Zahlungsmethoden besprochen. Schönes Ding! Wir setzen voll auf „Mobile Payment“ und in der Berufsschule lernen die Azubis, was ein „Wechsel“ ist. Und das ist nur ein Beispiel! Vorbereitung auf den Alltag sieht anders aus…

Viel schlimmer finde ich aber, dass die Hotelfachausbildung im Grunde nur noch eine Subventionierung für marode Betriebe ist, die unter normalen Umständen von Markt verschwinden müssten. Wie oft höre ich, dass es Quoten wie „von 100 Mitarbeitern im Hotel sind 65 Auszubildende“ gibt. Diese Betriebe sehen in der Ausbildung billige Arbeitskräfte, die ihnen ausschließlich helfen, Kosten zu sparen, damit bei ihren niedrigen Durchschnittsraten überhaupt noch etwas am Ende überbleibt. Somit zerstören diese Betriebe das Image unserer Branche in zweierlei Hinsicht:

1. Sie machen durch ihre Preispolitik die Märkte kaputt!

2. Es wird durch die Missstände in diesen Betrieben immer schwerer, Menschen für einen Job in unserer Branche zu begeistern.

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7 thoughts on “Ist die Hotelfachausbildung nur noch eine Subventionierung maroder Hotelbetriebe?”

  1. Super klasse, endlich mal einer der die Wahrheit sagt. DAs war für uns der Grund unsere Azubis in eine andere Berufsschule zu schicken, wo man versteht was GAstro heute bedeutet. Leider müssen dafür bis zu 3 STunden für den Weg in Kauf nehmen. Dieses machen sie aber sehr gerne. Sie verlieren nicht die Lust an unserem tollen Beruf, der Ihnen in der Welt Tor und Tür öffnet.

    1. Ich bereue nichts mehr als meinen misslungenen Eintritt ins Berufsleben. Nach dem Abitur (1,8 Schnitt) machte ich eine verkürzte Ausbildung zur Hotelfachfrau in einem nach außen hin excellenten 5*Hotel. Ich wählte diesen Beruf weil ich meine Wunsch-Studienplätze nicht bekam, einen Kommunikativen Beruf mit körperlicher Arbeit, angewandten Sprachen und Abwechslung wollte. Laut meiner Ausbildung war ich in sonstwelchen Abteilungen. Fakt ist, dass ich fast die komplette Ausbildungszeit im Bankett (da wo es mit den (Außen)veranstaltungen am meisten Arbeit gibt und im Frühstücksservice verbracht habe. Daneben noch ein wenig im Housekeeping. Gelernt habe ich gleich null, auch nicht in der Berufsschule und im Gegensatz zu meinen Kollegen auch nie gefehlt. Die Lehre einfordern … wer in entsprechenden Betrieben und veralteten Riesenberufsschulen ist, weiß dass das auch schwer möglich ist. Man ist einfach nur froh seinen meist 14-Stundentag dann hinter sich zu haben. Natürlich ist eine solche Ausbildung kein Studium – obgleich oftmals bei den Betrieben Abitur Voraussetzung ist. Aber ich hätte mir gewünscht eine Ahnung von Betriebsführung, vomRezeptionswesen, der Lagerverwaltung etc zu bekommen. Null. Ich hab das gemacht was jeder Aushilfsstudent macht und kann – und mach es über bestimmte Zeitphasen immer noch mit wahnsinnigem Haß im Herzen auf mich und alles Mögliche. Ich bin nun 34 und bin bis heute immer nur Hilfsarbeiterin mit Mindestlohn, weil es natürlich keine Zeit gibt dass man mir noch was beibringt. Ich kann gar nicht ausdrücken welchen Hass ich auf die Gastronomie hab! Natürlich hätte ich mich drum kümmern können dass das alles in andere Wege läuft. Aber es ist so schwierig in einem System zu stecken, auf Einnahmen angewiesen zu sein. Ich mein es ernst dass, hätte ich nicht irgendwie noch eine Schauspielausbildung gemacht und würde ich letzten Endes dann nicht doch mehr als Schauspielerin und Moderatorin als als Gastrokraft arbeiten — hätte ich das nicht überlebt. Sicher, Gastronomie ist nichts für zarte Gemüter. Ich bin kein zartes Gemüt, mag auch harte Arbeit, hab immer gelernt, nie gefeiert (man siehts an meinen Noten), aber nichts dabei gelernt. Es ist so frustrierend als intelligenter Mensch über die vielen Jahre trotz Chancen nichts gelernt zu haben. Eigentlich sollte es mein „richtiger“ Beruf neben der Kunst sein. Es ist der absolut Falsche. Und dieser Haß auf derartige Arbeit, inklusive der ganzen sinnlosen Beschäftigung mit Speisen und Getränken (bin Vegetarier, trinke keinen Alkohol und litt als Kind jahrelang an Magersucht) ruiniert mich. Zum Arbeitsamt brauch ich nicht gehen, da ich ja einen Beruf hab für den es weit und breit Mindestlohn-Hilfsarbeiter-Stellen wie Sand am Meer gibt. Also besorg ich mir diese Hilfsarbeiter Stellen lieber selbst wenn zwischen meinen Schauspielengagements wieder einige Monate liegen….und selbst dasist fast schwieriger als an eines der wenigen Schauspiel-Gastengagements zu kommen. Ich schreibe Dutzende Bewerbungen und laufe zu Vorstellungsgesprächen – aber trotz Personallmangel und minderwertiger Arbeitsstelle wollen alle Arbeitgeber nur jemand der für „immer“, bzw. für die Befristung des ArbeitGEBERs bleibt. Dabei handelt es sich nur um 08/15 Servicestellen, die sowieso sehr fluktuativ sind. Auf der Schauspielschule war ich eigentlich dann mit 25 nur noch, weil mich die Gastronomie so frustriert hat. Und ich wollte die Gastro- ode besser die Hotelleriekenntnisse als „Schatz“, als 2.Standbein haben. Ich habe die letzten Jahre sogar versucht ein Duales Studiumals Hotelfachwirt zu bekommen und hätte dafür die Kunst aufgegeben. Keine Chance. Bezüglich Amt bringt mir ein psychologisches Gutachten oder Ähnliches auch nicht, denn ich verhalte mich ja ganz normal und bin gesund. Außerdem hatte ich noch nie im Berufsleben einen Krankheitstag. Klar könnte ich als (gute) Schauspielerin irgendetwas vorspielen, aber ich war immer ehrlich und bleibe es. Unehrlich zu sein macht mich genauso krank.
      Das ist alles mein persönliches Problem – das ist mir schon klar und ich will damit eigentlich niemanden belasten. Aber ein klein wenig ähnliche Geschichten, ausgelöst durch die Gastro/Hotellerie gibt es bestimmt häufiger. Auszeit oder selbst -finanzierte Umorientierung ist wegen des Wahnsinnsgehalt auch nicht drin. Beruf selbst gewählt – selbst schuld. ja, seh ich ein, aber die Entwicklung ins negative war anfangs „normal“ und steigert/e sich exponentiell. Ich hab einfach das Bedürfniszu sagen, dass meine „Super“ Ausbildung samt excellentem Zeugnis der größte Schwachsinn war, der mich nicht mehr loslässt. Ich habe einen Hass auf diese Branche, aus der ich nicht rauskomme, bzw. reinkomme, der sich nicht in Worte fassen lässt und mich komplett zerreißt.

  2. Da muß man differenzieren. Sie und ich haben den Hoteltypus “ Garni „.
    Ich bilde seit über 10 Jahren nicht mehr aus, weil es tatsächlich keinen Ausbildungsgang gibt, den ich vermitteln könnte. Dafür drohen mir eventuell noch Strafzahlungen. Aber so wie es heute ist, kann ich nicht ausbilden.
    Ich denke schon. daß wir Ausbildung brauchen – aber angepasst an heutige Verhältnisse. Die Ausbildung “ Hotelfachfrau/Mann “ muß neu gedacht werden..
    Es wäre schon gut, wenn wir in unseren Häusern Menschen hätten, die was vom Umgang mit Gästen verstehen, Beschwerdemanagement, Buchungssysteme, Portale, Housekeeping,
    Nachhaltigkeit, Kostenmanagement etc.
    Frühstücksservice bzw. Lebensmittelbehandlung ( Frühstück ). Die brauchen keine Küchenausbildung, keine komplette Serviceausbildung, Weinkunde ……
    Die gesetzliche Berufsausbildung versagt hier total. die wollen absolut nicht neu denken, es ist ja so bequem nichts zu tun.

    Sicher gibt es sehr viele Betriebe, auch in meiner Region, die vom billigen Auszubildenden leben. Das verlängert den Sterbevorgang – ein überlebensfähiges Geschäftsmodell ist das nicht, genauso wie die miserabele Bezahlung von Mitarbeitern.
    Das ist aber nicht branchenspezifisch. Trotzdem haben Sie recht, die Hotellerie und Gastronomie bekleckert sich im Umgang mit Auszubildenden nicht mit Ruhm. Das gilt im Übrigen auch für die anderen Mitarbeiter.

  3. Die Aussagen sind mir zu einseitig und zu negativ, obwohl meines Erachtens manche Gedanken zutreffen, was zum Beispiel das Lehr-Niveau an den Berufschulen anlangt. Hier herrscht dringend Änderungsbedarf.
    Die Preispolitik mancher, von der Fachpresse unerklärlicherweise stets hochgeschätzter Konzerne, die gar nicht oder nur peripher ausbilden, machen eher den Markt kaputt (Motel One, Dormero , Meininger etc.)
    Ja, wie in anderen Branchen auch gibt es einige Defizite in der Ausbildung innerhalb unserer sehr heterogenen Branche wie die Hotellerie, was jedoch nicht heißt, das die Ausbildung generell als überkommen und von den Inhalten her veraltet über einen Kamm geschert werden sollte. Es gibt nach wie vor hervorragende Ausbildungsbetriebe mit hohem Ausbildungs-Niveau in Konzernen und Privat-/Einzelbetrieben, welche die Defizite der Berufschulen ohne weiteres wettmachen.
    Insgesamt habe ich immer wieder die Erfahrung gemacht, dass unsere Hotelfachleute mit iIhrer oft profunden Ausbildung in der Hotellerie /Gastronomie enorm geschätzt werden; nicht umsonst sind deutsche (wie auch österreichische und schweizer) Hotelfachleute oft in Spitzenfunktionen überalll auf der Welt anzutreffen und seit Jahrzehnten angesehen.

  4. Vielleicht ist es in meinem Beitrag nicht ganz deutlich geworden. Ich habe große Bewunderung für die jungen Menschen, die sich für eine Ausbildung im Hotelfach entscheiden. Diese Menschen sind oftmals hoch motiviert, finden dann aber einen Arbeitsplatz vor, der sie über alle Maßen demotiviert. Das ist sicherlich auch ein Grund, warum andere Firmen so einfach Hotelfachleute für sich gewinnen können. Bodo Jansen hat das ganz richtig erkannt: Wertschöpfung durch Wertschätzung!

  5. Es bewahrheitet sich wieder einmal, dass das Vorurteil von der Wahrheit weiter entfernt ist als die Unkenntnis. Zudem sollte man nicht den Sack schlagen, wenn man den Esel meint. Die Lehrpläne und damit Ausbildungsinhalte stammen ja nicht von den Berufsschullehrern, sondern wurden von den jeweiligen Berufsbildungsausschüssen erarbeitet. Dort sitzen vor allem die Branchenvertreter (Verbände, IHKn).
    Es wäre demzufolge eine schöne, dankbare und verdienstvolle Aufgabe für die Hotelbetreiber, die Lehrpläne ihren – durchaus berechtigten- Wünschen und Vorstellungen an die heutigen und künftigen Gegebenheiten und Gepflogenheiten in der Branche anzupassen.
    Woher die Gewissheit kommt, dass sowieso fast alle Berufsschullehrer a priori und grundsätzlich außerstande seien, mit diesen „…Herausforderungen klar(zu)kommen…“, ist weder belegt noch belegbar.

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