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Der Dinosaurier der Tagungsvermittler tritt ab

Nachdem vor ein wenig mehr als drei Jahren die damalige MICE AG schon Insolvenz anmelden musste, hat es nun auch Intergerma erwischt. Ich erinnere mich noch gut an die Zeit, als die damalige UVT entstand und wie groß das Unternehmen geworden ist. Die Protagonisten Kurt Schüller und Marcus Wiesner waren Pioniere in dem Gebiet der Tagungsvermittlung und hatten mit ihren einzelnen Segmenten, unter anderem UVT als Tagungsvermittlung, der STB als die Leitmesse der Veranstaltungsindustrie und dem Tagungsplaner Handbuch, ein vollumfängliches Dienstleistungspaket für die Hotellerie und auch die Firmenkunden aufgebaut.

Intergerma gehörte ebenfalls dazu, ein Dinosaurier der Tagungsvermittler, ein top Handbuch und eine super Vermittlungsagentur. Big-Data war damals zwar noch kein Mainstream, aber bereits gelebte Realität der Jungs aus Bad Kreuznach und aus Hamm. Es gab wohl von uns damals keinen Verkaufsdirektor oder überhaupt Verkäufer, der nicht bei ihnen vorstellig geworden ist. Wie gerne erinnere ich mich an diese „Hands-On“-Mentalität und alte Zeit zurück. Für uns waren das damals die Branchengrößen und mit Ehrfurcht haben wir Termine mit ihnen wahrgenommen, um am Ende immer wirklich fruchtbare Partnerschaften zu etablieren.

Aber Zeiten ändern sich und auch Stillstand ist oftmals Rückschritt. Bei der Unternehmensgruppe UVT ist damals Christoph Schwind dazugekommen (der eigentliche Gründer der STB) und irgendwann ausgeschieden, um sich selbständig zu machen und mit meetingmasters.de ein eigenes Unternehmen aufzubauen, dass von Anfang an verstärkt auf Technologie gesetzt hat und mittlerweile zu den großen Playern im Markt gehört. Auch Kurt Schüller hat sich dann von der UVT verabschiedet. Diese ist kurz danach nach Berlin gezogen, um mit einigen neuen Protagonisten als MICE AG mit einem starken Fokus auf Technologie zu firmieren. Parallel kamen Unternehmen hinzu wie zum Beispiel tagungshotel.com, das von Udo Lülsdorf, einem Branchenfremden, gegründet wurde. Die Firma fungiert mittlerweile als meetago und wurde von HRS übernommen.

Zeiten ändern sich und mit Dirk Führer, ein absoluter Hotelprofi und zuletzt CMO der Steigenberger Hotels AG, kommt ein weiterer Player auf den Markt, der sich voll und ganz der Technologie widmet, sein Okanda setzt neue Standards. Parallel dazu gibt es noch das MICE Portal der Gräfin von Brühl und auch der Deutsche Fachverlag mischt kräftig mit.

Und schaut man sich diese Entwicklung an, da verwundert es am Ende nicht, was nun mit Intergerma passiert ist. Alleine der Weggang des damaligen GF Markus Schmidt, sorgte schon für viele Fragezeichen in der Branche. Die Neubesetzung des GF war auch nicht gerade ein Statement des Aufschwungs in den Markt. Schaut man sich sonst den Fokus des Unternehmens an, dann scheint es, dass man müde geworden ist in Hamm. Es fehlte zuletzt die klare Strategie, kein Fokus auf Technologie und man hoffte wohl auf ein „LAST EXIT“, der mit der Übernahme von meetago durch HRS zu Nichte gemacht wurde. Am Markt wurde dann die alte Intergerma noch „wie sauer Bier“ angeboten, aber anscheinend wollte es niemand mehr haben, so dass man nun selbst den Stöpsel gezogen hat.

Aber ich bin mir sicher, dass auch daraus wieder etwas Neues entsteht. Die Qualität des mittleren Managements bei Intergerma ist super und wer sagt nicht, dass sich jemand von denen ein Herz nimmt und gepaart mit seinen Erfahrungen auch auf Technologie setzt. Bernd Fritzges und Co. dürfte es kaum schwer fallen eine neue Aufgabe zu bekommen, denn Markt ist groß genug und überhaupt noch nicht aufgeteilt. Aber es ist schon ein Wahnsinn, wie die Digitalisierung die Veränderung in unserer Branche beschleunigt. Zeiten ändern sich…

Mobile Check-In in Deutschland – The Truth

Ähnlich wie schon beim nur langsam voranschreitenden Ausbau der Breitbandnetze in Deutschland, hinkt unser Land auch in puncto Mobile Check-In-Prozedere gegenüber anderen Ländern hinterher. Immer wieder beschweren sich Gäste im Hotel, dass sie einen Meldeschein ausfüllen und unterschreiben müssen, obwohl sie schon die Daten elektronisch eingegeben haben oder diese auch vorliegen müssten. (mehr …)

Travel Industry Club Event in Hamburg: „Die Zukunft der Hotellerie – Visionen werden Realität“… Wirklich?

Gestern Abend hatte ich die Gelegenheit, beim TIC – Travel Industry Club Networking Event unter dem Titel „Die Zukunft der Hotellerie – Visionen werden Realität“ in Hamburg teilzunehmen. Wirft man einen Blick auf die Teilnehmerliste zeigt dies, dass der TIC mit dem Thema den Nerv der Zeit getroffen hat, denn das Interesse war sehr groß.

Es wurde unter anderem diskutiert, wie die Digitalisierung und Technologie die operativen Abläufe der Hotellerie verändern wird, wie die Interaktion mit dem Gast in dem Hotel der Zukunft aussieht und inwiefern Automatisierung und Personalisierung die (Innen-)Architektur der Hotellerie beeinflussen. Wie sehr man bereits auf Technologie angewiesen ist, zeigte der Unmut einiger Teilnehmer, als sie feststellten, dass in dem Veranstaltungsraum des Hotels die Handyverbindung nicht so gut war (ich hatte auch nur ein schwaches Edge Signal). Auf Nachfragen gab es allerdings einen kostenlosen WLan Zugang, der einwandfrei funktionierte. Was ich aber bei solchen Veranstaltungen schade finde: Es gibt keinen offiziellen Hashtag. Das Gleiche war schon beim Top Hotel Opening Award der Fall. Die Frequenz der Tweets auf Twitter war und ist dementsprechend gering, das Gegenteilige wäre auch für das Image unserer Branche wünschenswert.

Zurück zur Veranstaltung: Nach seinem Impulsvortrag diskutierte Dr. Peter Agel, Global Segment Leader Hotels bei Oracle Hospitality früher Micros und Vice President Technology & Think Tank des Travel Industry Club auf dem Podium gemeinsam mit:

Vanessa Borkmann, Projektleitung Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation

Arne Erichsen, Director of Market Management der Expedia Partner Service Group

Corinna Kretschmar-Joehnk, Hoteldesignerin, JOI-Design

Bruno Marti, Chief Brand Officer 25hours Hotel Company

Moderiert wurde das Event von Mario Pick, Geschäftsführer Welcome Hotels

Mit Masunt und Conichi waren zwei brandneue Start Ups vor Ort, von denen man in Zukunft sicherlich noch viel hören wird.

Ich finde es gut und richtig, dass solche Veranstaltungen stattfinden, denn sie tragen zur Aufklärung einer Branche bei, die gerne einmal hinterhinkt. Bei der Podiumsdiskussion wurde, speziell durch Vanessa Borkmann, ein guter Ausblick gegeben, was Technologie heute schon für die Hotellerie leisten kann und wohin die Reise geht. Leider ist die Diskussion dann kurzzeitig auf eine Mikroebene abgerutscht, wo es bei dem Thema Online Check-In darum ging, was passiert, wenn der Gast ein vorgeblocktes Zimmer hat und nicht anreist oder das Zimmer wechseln will. Das sind in der Tiefe sicherlich wichtige Diskussionen, haben aber in so einem Forum nichts zu suchen.

Wir brauchen keine detailverliebten Aussagen, sondern einen Blick auf das Big Picture. Ich bin allerdings auch kurz vor dem Ende gegangen, da ich noch einen anderen Termin hatte, kann mir aber vorstellen, dass es danach noch gut weiterging. Die Frage ist doch am Ende: Wie kann die Hotellerie die Technologie maßgeblich nutzen, um den Service für ihren Gast zu verbessern? Service, der nicht erst im Hotel anfängt, sondern schon viel früher. Dazu gehört auch, wie ich ein Hotel buche, denn eine schlanke und tolle IBE ist auch ein Service, den ein Gast gerne nutzt. Wenn ich mir die IBEs vieler Hotels anschaue, dann ist die Buchungsroutine aber alles andere als serviceorientiert.

Eine große Herausforderung sieht man bei den ganzen Diskussionen, vor allem mit Hoteliers, dass wir uns immer noch viel zu einseitig nur auf die Operation fokussieren. Immer wieder taucht dieser Text auf: „Hotel Business is People Business“. Mein lieber Kollege Olaf Beck hat ihn gestern auch gepostet (allerdings in einem anderen Kontext):

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Natürlich arbeiten wir mit Menschen für Menschen, aber das ist in der heutigen Zeit nur noch die halbe Wahrheit. Technologie hilft uns, den Service für die Menschen im Hotel, wie aber auch für unsere Gäste zu verbessern. Genau das kommt bei den ganzen Diskussionen immer wieder zu kurz.

Nehmen wir das Beispiel „mytaxi“: An der Taxifahrt selbst hat sich nichts geändert, ich werde von A nach B transportiert. Was sich aber geändert hat: Wie ich das Taxi bestelle! Über die App kann ich bequem meinen Standort eingeben, sehe wann mein Taxi kommt und kann auch noch ganz entspannt die verschiedenen qualitativen Parameter definieren (Stammfahrer, Autogröße, Qualität, etc.). Ich kann mit der App bezahlen und die Rechnung wird sogar im PDF-Format direkt per E-Mail in die Buchhaltung geschickt. Kein lästiges Papier mehr, keine Zettel, kein Aufwand bei der Bezahlung. Technologie hat dieses Drumherum einfacher und effizienter gemacht. Und nochmal: An der Taxifahrt selbst ändert sich nichts. Außer, dass ich eine andere Qualität an Fahrern habe.

Ja, wir sind ein „Peoples Business“ und arbeiten mit Menschen für Menschen. Das wird trotz AI-Roboter, Hologrammen, etc. auch immer so bleiben. Es mag Produkte geben, die komplett auf Menschen verzichten. Das ist aber die Ausnahme. Wir dürfen die Technologie in unserer Branche nicht als Bedrohung nehmen, sondern vielmehr darüber nachdenken, wie wir alle Prozesse für uns und für den Gast effizienter gestalten können, so dass an den „Touchpoints“ – also da, wo wir wirklich mit dem Gast interagieren – unser Hotel punkten kann.

Niemand will die Jobs in der Hotellerie durch Technologie ersetzen. Nur: Die Jobs, so wie sie jetzt sind, werden sich durch Technologie ändern. Wenn wir dem Rezeptionisten den langwierigen und wirklich aufwendigen Check-In-Prozess an den nutzerunfreundlichen PMS-Systemen wegnehmen, was macht er dann? Er oder sie wird zum kommunikativen Bindeglied zwischen dem Hotel, der Marke und dem Gast. Die Frage ist nur: Haben wir dann genug zu erzählen, wenn wir eben nicht Prozessbeschreibungen blind runterbeten? Die Jobanforderungen in der Operation werden sich in Zukunft massiv ändern, der Fokus auf die Technologie wird bleiben. Nur wer das versteht und künftig miteinander vereint, wird auch erfolgreich sind.

Ein schönes Beispiel ist Dominos Pizza, deren größte Abteilung ist mittlerweile die IT. Es ist somit nicht mehr nur ein Pizzaria oder eine Pizza-Kette. Es ist eine Technologie-Firma, die Pizza verkauft. Booking.com und andere Anbieter machen es uns vor. Es sind Technologieunternehmen, die Hotelzimmer verkaufen. Natürlich wollen diese Firmen immer mehr auch in das Eco-System des Hotels eingreifen (siehe Artikel im Manager Magazin), aber sie haben keine eigenen Hotels (und wenn ich die Zeichen richtig deute, bald auch ein paar weniger im Portofolio). Im Wettbewerb stehe ich als Hotelier heute also nicht mehr nur mit anderen Hotels und Hotelmarken. Ich stehe im massiven Wettbewerb mit Technologieunternehmen. Deswegen werden wir bei prizeotel den Ansatz von Dominos folgen und neben der Guest-Experience vor Ort ganz klar den Schwerpunkt auf Technologie setzen!

„prizeotel, a tech-company that happens to sell hotel rooms.“

Hört sich doch gut an, oder? Seid gespannt auf das, was kommen wird!

Hotels arbeiten an ihrer Bedeutungslosigkeit im Netz

Nun sind die Hoteliers schon in der Lage – zumindest in Deutschland – den besten und günstigsten Preis auf ihrer eigenen Website darzustellen, doch was machen sie? Sie arbeiten konsequent an ihrer Bedeutungslosigkeit im Internet und prägen damit sogar das Image unserer Branche! Was lernt die Öffentlichkeit? Buche über ein OTA, da kriegst du garantiert ein Zimmer und außerdem zum besten Preis! Glaubt ihr nicht? Hier eine kleine Twitterperle zu dem Thema:

Hotels arbeiten an ihrer Bedeutungslosigkeit im Netz

Hotels arbeiten an ihrer Bedeutungslosigkeit im Netz

Hotels arbeiten an ihrer Bedeutungslosigkeit im Netz

So geht Hotel heute jedenfalls nicht und ich frage mich, wann die Branche denn endlich aufhört, sich selbst in die eigene Tasche zu lügen und endlich aufwacht.

Liebe Kollegen/innen, wo ist eure Strategie? Hoffnung ist keine Strategie und ein Ticket zurück ins “Früher-war-alles-besser“-Land gibt es nicht. Wenn ihr keine Lösungen habt, seid ihr an der falschen Stelle und es wird Zeit, dass der Markt das bereinigt. Denn mit so einer Vorgehensweise schadet ihr nicht nur euch, sondern der ganzen Branche. Time to wake up, oder was denkt ihr?

AirBnB – who let the dogs out…?

Who let the dogs out and what else must happen, that people start to understand, that AirBnB is not about „a social website that connects people who have space to spare with those who are looking for a place to stay“ anymore?

The company is a full-fledged hospitality business and in direct competition with the hotel industry, so they should meet the same requirements and pay the fees, taxes, insurances, etc… every hotel in the world has too.
Don’t get me wrong, it is not about protecting an industry from the disruptive innovation, it is more about equal rights, because I think, at least everybody should have the same requirements in doing his business.

Wifi im Hotel – eher WLa(h)m als WLAN!

Wir sind gerade in der letzten Phase der Vorbereitungen für die Eröffnung unseres Hotels in Hannover. Dazu gehört natürlich auch, dass wir unseren Gästen kostenloses High-Speed WLAN anbieten wollen. In vielen Hotels ist das WLAN wohl allerdings ein WLa(h)m, wenn man die Bewertungen im Internet liest und sich Seiten wie www.hotelwifitest.com anschaut.

Wifi im Hotel

Dass das WLAN kostenlos angeboten wird, ist für uns keine Frage mehr. Vielmehr geht es heute darum, was für eine Bandbreite das kostenlose WLAN hat. Und hier gibt es dann auf einmal ein Problem, für das die Hotellerie zunächst eigentlich gar nichts kann: Mehr und mehr Applikationen haben heute eine Wifi-Verbindung als Grundlage für ihre Arbeitsweise. Sei es zum Beispiel der jetzt bald kommende Mobile Check-In, die elektronischen Türschlösser, das web-basierte PMS oder das Housekeeping, dass mittlerweile auch schon mit iPods arbeitet. Hinzu kommt, dass der durchschnittliche Hotelgast mindestens zwei oder mehr Devices hat, mit denen er online gehen möchte.

Mit diesen Devices werden dann Streamingdienste wie Youtube, Netflix, Apple-TV, etc. genutzt, um nur einige zu nennen. Dazu skypen viele oder nutzen andere Programme zur Videokommunikation. Zu guter Letzt kommen Down- und Uploads von Präsentationen und „weiß der Kuckuck was“ hinzu. Alles in allem braucht man schon extrem viel Bandbreite, wenn man ein Hotel mit vielen Zimmern und einer hohen Auslastung hat.

Aber: Das wird in vielen Gegenden in Deutschland gar nicht angeboten. Schuld an dieser Situation ist der nur langsam voranschreitende Ausbau der Breitbandnetze in Deutschland. Die Bundesrepublik hinkt laut einer Analyse für das Wirtschaftsministerium bei superschnellen Internetanschlüssen hinterher, liegt im Vergleich mit acht EU-Ländern sogar auf dem letzten Platz.

Was lernen wir daraus? Die Zukunft überholt uns in Deutschland und wir können uns für unsere Hotels solche Standorte, die keine hochleistungsfähige Breitbandanbietung bieten, nicht mehr leisten. Somit werden wir in der Entwicklung unseres Hotelproduktes massiv eingeschränkt. Diejenigen, die dennoch auf Standorte ohne entsprechende Breitbandanbietung setzen, werden mittelfristig mit erheblichen Problemen bei ihren Dienstleistungen und Services rechnen müssen.

Es sei denn, man ist so kapitalstark wie Accor Hotels und bindet einen Großteil der rund 340 Hotels über die neueste Glasfaser-Technologie an das Internet an. Den Gästen wird dabei für die üblichen, tagtäglichen Aktivitäten eine kostenlose und schnelle „Free Wi-Fi-Version“ angeboten, sowie eine „Premium Wi-Fi-Variante“ ohne Bandbreitenlimitierung etwa für größere Downloads, Videos oder Internet-Telefonie (6,- Euro pro Tag oder 19,- Euro pro Woche).

Das Thema Wifi im Hotel wird uns sicherlich alle in der Branche noch sehr beschäftigten. Was sind eure Gedanken dazu?

Booking.com – von der Buchungsplattform zum „Mann für alle Fälle“

Nachdem ich nun von vielen Personen immer wieder auf meinen Offenen Brief an Booking.com angesprochen und gefragt wurde, ob diese schon darauf geantwortet haben, hier kurz die Antwort: Nein!

Von Seiten Booking.com hat sich noch keiner gerührt, wobei man fairerweise sagen muss, dass Peter Verhoeven anscheinend immer noch krank ist (an dieser Stelle auch von mir gute Besserung). Dennoch, ich glaube auch nicht, dass da noch eine Antwort kommt. Getreu dem Motto „die Hunde bellen, die Karawane zieht weiter“, entwickelt sich Booking.com von einer Buchungsplattform für Hotels zum „Mann für alle Fälle“ für Hotels. Ich bin mir nicht sicher, ob die Branche das überhaupt alles so mitbekommt, aber Booking.com mausert sich langsam zu einem Online-Konzern, der dank strategisch intelligenter Übernahmen einen Großteil der technischen Lösungen für die Hotellerie abbilden will und kann.

Angefangen hat alles 2014 mit dem Kauf von hotelninjas, einem PMS-System, sowie buuteeq (jetzt bookingsuite), die die Website mit allen möglichen Features für ein Hotel erstellen.

Hinzugekommen ist im Frühjahr 2015 noch das Loyalty-Programm rocketmiles, dass die Kunden davon abhalten soll, in den Hotels direkt zu buchen.

Schaut man sich an, welche Qualität die Teams und auch die Führungskräfte von Booking.com haben, wie viel Kapital dahinter steckt und wie strategisch die vorgehen, da kann einem Angst und Bange werden! Dort wächst ein Ökosystem heran, dass die Hotellerie zunehmend alt aussehen lässt.

Ich bin gespannt, wie es weitergeht. Was denkt ihr?

Die digitale Revolution der Hotellerie

Günther Oettinger ermahnte heute auf dem Deutschen Hotelkongress 2015 in Berlin die Hoteliers, die Weichen für die Zukunft richtig zu stellen und die AHGZ titelte gar: „Hoteliers stecken in einer digitalen Revolution“. Parallel dazu gab es heute auch einen Bericht bei Spiegel Online über das Hotel der Zukunft. Dazu noch das Thema der wandelnden Anforderung an Führungskräfte und Unternehmensstrukturen auf Grund der GenY. Auf die Hotels kommt also eine digitale Revolution zu und zwar immer schneller.

Disruptive Innovationen von allen Seiten und die meisten haben Probleme, überhaupt mitzukommen mit der ganzen Entwicklung.  Wer in seinem Management-Werkzeugkasten nur einen Hammer hat, für den sieht jedes Problem wie ein Nagel aus. Das reicht aber nicht mehr. Zwar feiert sich die Branche mit Einstecktüchern, H-Gürteln, Champagner und Zigarren gerne immer wieder selbst, ihr Geschäft bestimmen aber mittlerweile andere. Sinnbildlich wird das auch bei dem Zitat von Günter Oettinger: „Sie brauchen einen Mitarbeiter, der morgens um 6 aufsteht und überlegt, was kann ich heute posten!“ Das ist gerade das Erschreckende! Wir sind in einem digitalen Zeitalter, haben alle Möglichkeiten, aber treten diese mit Füßen. Wir geben Unsummen für Verkaufsmannschaften aus, die im Grunde nichts anderes sind als – und jetzt muss ich einmal Gabriele Schulze zitieren, die das schon 1997 oder 1998 einmal in einem Interview in der First Class gesagt hatte – rollende Prospektständer oder „Lila-Pause-Hasen“-Verteiler.

Jeder Check-In eines Gastes bei Facebook, jeder Post eines Gastes über seinen persönlichen Facebook-Account, jedes Bild bei Instagram, jeder Tweet, jede Bewertung, die ein Gast bei Facebook, Google+, HolidayCheck, Tripadvisor, der eigenen Homepage oder sonst wo abgibt…alle diese und noch viele weitere Dinge bringen heute ein Vielfaches mehr als das, was wir in Printwerbung und in den Verkauf investieren. Nur: Wer das soll das machen? Wer hat am meisten Gästekontakt? Das sind die Teammitglieder, die am Gast arbeiten, die Rezeptionisten, die Service-Mitarbeiter, die Bankett-Mitarbeiter usw..

Diese Mitarbeiter haben wahrscheinlich pro Tag mehr Kontakte mit Multiplikatoren (denn fast jeder, der in einem Hotel eincheckt, hat heute ein Smartphone, nutzt auch Social Media und gibt Bewertungen ab), als die vermeintlichen Starverkäufer in einem Jahr. Während also die Digitalisierung zunimmt, verteilen wir Spargeltöpfchen, laden zu Hausführungen ein und machen tolle Sales-Blitze, wo wir alle Verkäufer in einer Destination zusammenholen und dann tolle Sachen an vermeintliche Bucher verteilen, die total genervt davon sind, dass wieder so ein Klinkenputzer aus der Hotellerie unangemeldet vorbeikommt! Auch eine Imagebildung.

Diese Verkäufer aber verdienen anscheinend – wenn es stimmt, was mir neulich ein VP Kollege einer großen Kette mitgeteilt hat – mindestens €3.200 brutto/Monat! In leitender, bzw. strategischer Postion bekommen sie nicht unter €4.000 bis €4.500. Im Vergleich dazu wird der Rezeptionist/in und all die anderen mit den vielen Gastkontakten mit Tariflöhnen und somit weitaus günstiger abgespeist. Macht das im Zuge der Digitalisierung noch Sinn? Ich denke nicht! Es gilt, wie auch bei der Unternehmensführung, hier völlig neue Ansätze zu etablieren.

Das Empfehlungsmarketing, und dann noch von den eigenen Freunden, ist der Nummer-Eins-Verkaufsfaktor für unsere Hotels und ich will jetzt gar nicht von Big-Data anfangen. Es gilt also umzudenken, denn die Mitarbeiter mit den meisten Gästekontakten sind heute das kommunikative Bindeglied zwischen einem Gast und einem Hotel/einer Marke. Diese Mitarbeiter können mit ihrer individuellen Art (die man im Übrigen auch nicht per Excel-Liste, Prozessbeschreibungen und Regeln verordnen kann, wie manche „Experten“ das einem gerne weiss machen wollen) heute viel mehr Leute erreichen, als es der Verkäufer je tun wird. Es gilt aber diese Mitarbeiter zu informieren, zu trainieren, für ihre neue Aufgabe fit zu machen und am Ende auch anders zu vergüten. Der „Wind of Change“ der Digitalisierung geht immer weiter. Die Frage ist wirklich: Sind wir dafür gerüstet und wollen wir das überhaupt oder sind wir einer Branche von Besitzstandswahrern? Da passt das Zitat eines anderen Kollegen von mir: „Corporate Life is about taking care of yourself, not about creating things“.

Ich denke: „We better start creating things!“ Ansonsten ist es bald nichts mehr mit „Taking care of myself„, Champagner, Zigarren und Einstecktüchern…

Wir brauchen keine Chefs

Interview mit Marco Nussbaum, Gründer und CEO der Budget-Design Hotelkette prizeotel

Ist die Hotelfachausbildung nur noch eine Subventionierung maroder Hotelbetriebe?

Immer mal wieder kommt es in den Medien hoch, dass die Ausbildung in der Hotellerie und Gastronomie am unbeliebtesten ist und die höchsten Abbrecherquoten hat. Wenn man sich so manche „Horrornachrichten“ anhört oder auf kununu.com umschaut, muss man sich nicht wundern. Allerdings: Die klassische Hotelfachausbildung ist in meinen Augen heute oftmals nicht mehr zeitgemäß und überflüssig. Für unsere Art der Hotellerie, die ja weiter Marktanteile einnehmen wird, bedarf es nicht dieser veralteten Ausbildung. Vor allem in den Berufsschulen sitzen heute oftmals Lehrer, die mit den Herausforderungen der Gegenwart gar nicht mehr klarkommen, bzw. diese überhaupt verstehen. Die Krise kriege ich unter anderem immer, wenn meine Azubis mich fragen, was denn ein „Wechsel“ sei. Sie hätten das bei Zahlungsmethoden besprochen. Schönes Ding! Wir setzen voll auf „Mobile Payment“ und in der Berufsschule lernen die Azubis, was ein „Wechsel“ ist. Und das ist nur ein Beispiel! Vorbereitung auf den Alltag sieht anders aus…

Viel schlimmer finde ich aber, dass die Hotelfachausbildung im Grunde nur noch eine Subventionierung für marode Betriebe ist, die unter normalen Umständen von Markt verschwinden müssten. Wie oft höre ich, dass es Quoten wie „von 100 Mitarbeitern im Hotel sind 65 Auszubildende“ gibt. Diese Betriebe sehen in der Ausbildung billige Arbeitskräfte, die ihnen ausschließlich helfen, Kosten zu sparen, damit bei ihren niedrigen Durchschnittsraten überhaupt noch etwas am Ende überbleibt. Somit zerstören diese Betriebe das Image unserer Branche in zweierlei Hinsicht:

1. Sie machen durch ihre Preispolitik die Märkte kaputt!

2. Es wird durch die Missstände in diesen Betrieben immer schwerer, Menschen für einen Job in unserer Branche zu begeistern.