Fachkräftemangel – hausgemacht!?


Mit voller Inbrunst beklagt sich die Branche über den allgegenwärtigen Fachkräftemangel. Scheinbar möchten junge Menschen nicht in der Hotellerie arbeiten. Was die Branche subjektiv wahrnimmt, bestätigt sich in objektiven Studien: Seit 2008 sind die Ausbildungszahlen rückläufig. Schon 2012 blieben 28 Prozent der angebotenen Azubi-Stellen unbesetzt. Und von jenen Azubis, die eine Ausbildung in der Hotellerie beginnen, brechen weit über 40 Prozent vorzeitig ab und viele bestehen die Abschlussprüfungen nicht. Der Nachwuchs bleibt somit in vielen Hotels aus.

Nun können wir die ganze Misere natürlich auf den demografischen Wandel schieben, der irgendwie plötzlich den Fachkräftemangel verursacht hat. Plötzlich? Der Strukturwandel unserer Bevölkerung ist mindestens so lange bekannt wie der Babyboom (1965) und der rasch darauf folgende Pillenknick.

Wir können auch ein bisschen tiefer nach den Ursachen graben und in Erwägung ziehen, dass es doch auch an unserem System liegen könnte. Vielleicht kommt ja mehreres zusammen? Schließlich kommen andere Branchen besser mit dem demographischen Wandel zurecht. Bei uns bleiben immer mehr Ausbildungsstellen unbesetzt. Der HDV hat bereits das Gütesiegel „Exzellente Ausbildung“ initiiert und verlangt jetzt, dass die gastgewerblichen Berufe auf die Liste der Mangelberufe gesetzt werden. Das sind zweifellos pragmatische Ansätze und durchaus geeignet, die Symptome zu bekämpfen – doch wie sieht es mit der Bekämpfung der Ursachen aus? Und was sind die Ursachen?

Das Institute of Culinary Art macht hierzu folgende Rechnung auf: Wenn wir 100 Auszubildende suchen, dann finden wir nur 80. Von den 80 brechen 33 die Ausbildung ab. Von den verbleibenden 47 Auszubildenden verlassen 23 nach der Ausbildung die Branche. Also bleiben uns 24 Fachkräfte erhalten.

Das führt zu zwei brennenden Fragen:

  1. Warum brechen so viele junge Leute die Ausbildung ab?
  2. Warum verlassen so viele junge Leute nach der Ausbildung die Branche?

Ich behaupte: die meisten Menschen, die ein Unternehmen verlassen, tun dies wegen ihrer direkten Vorgesetzten.

Vorgesetzte, die den Nachwuchs fördern, bestärken, motivieren, zu Höchstleistungen anspornen und Erfolg angemessen belohnen, sind rar. Viele Führungskräfte haben diese Kompetenzen nie erworben. Wie auch? In einer Branche, die nicht nach persönlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten, sondern meistens frei nach dem Peter-Prinzip befördert. Ein guter Koch ist eben noch lange kein guter Küchenchef und ein guter Küchenchef ist noch lange kein guter Direktor. In der Hotellerie wird über das Fachliche das Thema Führung häufig vergessen – und das bekommt der Nachwuchs dann logischerweise zu spüren.

Die Ausbildung der Ausbilder, die Führungskräfteentwicklung, ist ein ganz entscheidender Erfolgsfaktor für die Gastronomie und Hotellerie. Und für die Kostenrechner: ja – es ist ein Kostenfaktor – aber nicht nur das – es ist eine Investition mit einem ausgezeichneten ROI und einer exzellenten langfristigen Wirkung. Mittlerweile ist verstanden, dass es günstiger ist, einen Gast zu behalten, als einen neuen Gast zu akquirieren. Und wie ist es im Personalbereich? Wenn es nach mir ginge, würde die „Hire and Fire-Methode“ auf die Liste der größten Branchenirrtümer gesetzt. Natürlich ist es einfacher, Mitarbeiter hinauszuwerfen, als sich mit ihnen auseinanderzusetzen.

Es gibt im englischen die schöne Formulierung „Employee Relations“ und genau das ist es, was jetzt gefordert ist. Es muss eine Beziehung zu den Mitarbeitern aufgebaut werden. Hier liegen die Chancen der Unternehmer und Personalentwickler, hier wird künftig über den Erfolg des Unternehmens entschieden.

Als gute Führungskraft wird man nicht geboren. Führung kann man lernen: in Ausbildungen, Weiterbildungen und mit Unterstützung von Mentoren. Und Führung braucht Zeit für Gespräche. Also, liebe Hoteliers: Vergesst die Ausbildung eurer Ausbilder nicht und gebt den Vorgesetzten Zeit zum Führen!

Gute Führungskräfte bestimmen einen guten Ausbildungsbetrieb 

Gute Ausbildungsbetriebe, die eine positive Führungskultur haben, kennen keinen Fachkräftemangel. Denn sie bekommen genug Resonanz auf ihre Stellenausschreibungen und haben weniger Fluktuation. In guten Ausbildungsbetrieben sollten gute Azubis – wie es in der Industrie schon lange Usus ist – übernommen und nicht ungewollt hinaus in die große weite Welt geschickt werden. Weiterbildung nur durch Arbeitsplatz- und Wohnortwechsel, kann das wirklich für alle Mitarbeiter, für unsere Branche noch Programm sein?

Talente bleiben, wenn sie stolz darauf sein können, in solch einem Betrieb arbeiten zu dürfen: in einem Betrieb, in dem die Potenziale und Bedürfnisse der einzelnen Persönlichkeiten erkannt, Mitarbeiter stärkenorientiert eingesetzt, individuell gefördert und für ihre Leistungen entsprechend honoriert werden. Dabei geht es nicht nur um Geld, sondern vor allem um die Wertschätzung und das Vertrauen, das man ihnen entgegenbringt.

So gewinnen Sie den Nachwuchs wieder für sich

Wie sieht es in Ihrem Betrieb aus? Hand aufs Herz: leiden Sie auch unter dem Fachkräftemangel, der, wenn Sie einmal ganz ehrlich sind, vielleicht auch Mangel an guter Führung ist? Dann wird es Zeit, sich auf sich selber zu besinnen und Schritt für Schritt ein attraktiverer Arbeitgeber zu werden. Führen Sie zuallererst eine IST-Analyse durch und stellen Sie sich die folgenden Fragen:

  • Wie sieht Ihre Fluktuation aus? Haben Sie das schon mal berechnet?
  • Warum haben Mitarbeiter und Azubis gekündigt? Haben Sie sie jemals gefragt?
  • Kennen Sie die Lebensmotive Ihrer Mitarbeiter und wissen Sie, wie Sie Mitarbeiter individuell führen können?
  • Wissen Sie, was Ihre Mitarbeiter antreibt und wie sie das herausfinden können?
  • Ziehen Sie sich eigene Fachkräfte heran und bieten ihnen auch nach der Ausbildung eine attraktive Perspektive im Unternehmen?
  • Welche Stärken haben Sie als Arbeitgeber? Was können Sie besonders gut?
  • Was ist Ihr USP? Warum sollten (junge) Menschen bei Ihnen arbeiten?
  • Haben Sie ein besonders gutes Schulungsprogramm? Zahlen Sie ein überdurchschnittliches Gehalt? Sind Sie ein toller Mentor mit besonders gutem Ruf? Oder ist ihr Betrieb sogar eine Kaderschmiede?

Erstellen Sie, basierend auf diesen Fragen, Ihr individuelles Stärkenprofil. Erst dann sollten Sie den Fokus auf das SOLL richten: Wo wollen Sie hin? Gerne begleite ich Sie auf diesem Weg.

Fazit: Der vermeintliche Fachkräftemangel ist mehr als die Folge des demographischen Wandels. Er ist das Symptom einer Krankheit, die unsere ganze Branche infiziert hat: der Mangel an guten Führungskräften. Er ist wie die Grippe, die Deutschland gerade fest im Griff hat: Irgendwie ist jeder davon betroffen. „Mangel an Führung und Wertschätzung“ heißt das Virus. Doch Sie können sich schützen und verhindern, dass aus einem einfachen Schnupfen eine hartnäckige Grippe oder eine Lungenentzündung wird. Investieren Sie in Ihre eigene Weiterbildung und in die Ausbildung Ihrer Ausbilder, werden Sie ein attraktiver Arbeitgeber und sagen Sie deutlich, was Sie können und jungen Talenten bieten!

16 Gedanken zu „Fachkräftemangel – hausgemacht!?“

  1. Jens Diekmann

    Vor über 20 Jahren habe ich mich mit diesem Thema bereits kritisch auseinander gesetzt. Das meiste, was ich damals geschrieben habe, ist auch heute noch aktuell:

    1. Ist unsere Ausbildung noch zeitgemäß?

    Die duale Ausbildung in Deutschland galt lange Zeit als Vorbild und wurde als weltweit bestes System gepriesen. Daher gibt es auch so viele deutsche Generalmanager in allen Teilen der Welt.

    Doch wenn wir ehrlich sind, so war es nicht allein die Ausbildung, die zu diesen Positionen geführt hat, sondern die Fortbildung und hier nicht zuletzt die in ausländischen Konzernen erworbenen Management- und Marketingkenntnisse.

    Die Ausbildung in Deutschland hat noch einen guten Ruf. Das ist sicherlich auch einer der Gründe dafür, warum die Zahl der Ausbildungsverträge in der Gastronomie jährlich steigt und inzwischen auf über 40.000 Stellen angewachsen ist.

    Doch wo bleiben diese „Fachleute“ nach ihrer Ausbildung?

    Weiterlesen unter http://www.jens-diekmann.de

    1. Elke Schade

      Lieber Jens, grundsätzlich hast Du Recht, unser Ausbildungsstandard und auch der in Österreich und der Schweiz ist weltweit Spitze. Doch die Berufsbilder müssen an die Branchenentwicklung angepasst und verschlankt werden. Aber die „Umsetzungsmühlen“ mahlen langsam. Richtig ist auch, dass Auslandserfahrung gut und sinnvoll ist – doch das passt eben nicht für jeden, denn nicht jeder will eine leitende Position haben. Ich will mich einfach dafür einsetzen, dass wir innerhalb der Branche einen besseren, einen wertschätzenden Umgang miteinander haben. Wir beide sind einen langen Berufsweg gegangen und wir beide wissen, dass alles Fachliche nichts nutzt, wenn das Persönliche nicht stimmt. Da will ich ansetzen.
      Ich widerspreche Dir wirklich nur ungern, doch seit 2008 gehen die Ausbildungszahlen kontinuierlich zurück. Das gilt sowohl für die Ausbildungsverhältnisse insgesamt als auch für neu abgeschlossene Ausbildungsverträge. Im Jahr 2007 hatten wir insgesamt 107.041 Azubis, in 2013 waren es nur noch 63.048 Azubis insgesamt! Nachzulesen auf der Webseite vom Dehoga Bundesverband http://www.dehoga-bundesverband.de/zahlen-fakten/ausbildungszahlen/. Diese Zahlen sind dramatisch und wenn wir dann wissen, dass viele der ausgelernten Kräfte der Branche den Rücken kehren, dann müssen wir den Handlungsbedarf einfach erkennen. Es gibt noch viel zu tun.

      1. Jens Diekmann

        Ja, liebe Elke, das mit den rückläifigen Zahlen stimmt. Doch meine Ausführungen sind über 20 Jahre alt und damals stiegen sie noch!

  2. Christina Wieser

    Hallo Elke,

    nicht nur in Deutschland habt ihr mit Fachkräftemangel zu tun, auch wir in Österreich haben große Probleme damit. Die Gesellschaft wir immer älter, es kommen keine jungen mehr nach, die Akademisierung treibt noch mehr Menschen eher ins Studium als zur Lehre und das ist ein schwerwiegendes Problem – besonders im Tourismus – besonders in der Hotellerie, wo soviele Fachkräfte benötigt werden.
    Lösung? Gibt es zurzeit keine. Wir denken auch, liebe Elke, dass gut ausgebildete Führungskräfte, und zwar besonders gut ausgebildet in den Soft Skills, die Mitarbeiterfluktuation senken können. Erfolg durch Weiterbildung! (www.oehv.at/weiterbildung)

  3. Bernd Nieding

    Recht hat sie, die Frau Schade !
    Selbst in der Konzernhotellerie sieht s oft mau aus. Führungskräfte werden schnell rekrutiert, damit Jobs besetzt sind, nach der Qualifikation im HRM -Bereich wird da wenig gefragt.
    Selbst gestützt erhaltene „Awards“, bunte Bildchen mit coolen Typen, oder dünne Videoclips werden da nicht weiterhelfen … sie sind zuweilen durchschaubar und unglaubwürdig !
    Dagegen sehe ich glaubwürdig gelebte Personalpolitik immer wieder in „owneroperatet“ Hotelbetrieben, Mitarbeiterzugehorigkeiten von Jahrzehnten ! Ja, Frau Schade, da interessiert niemanden den als Alibi herangezerrten „demografischen Faktor“

    Beste Grüße , Bernd Nieding
    (www.nieding-hotelsolutions.de)

  4. sepp

    hallo,
    ich glaube wir müssen uns eingestehen, dass die cleveren der kommenden generation die WIR gerne hätten in anderen branchen mit weniger arbeit mehr geld verdienen und daher von anfang an für eine andere karriere ausgebildet werden. die schwächeren (die übrigens KEINE branche haben will) die übrig bleiben werden in die gastronomie gedrängt (weil die suchen ja) ob sie wollen oder nicht, hauptsache irgend eine ausbildung und raus aus der arbeitslosenstatistik, daher kommt die relativ hohe drop out rate bei den unter 25 jährigen, weil auch die irgend wann feststellen, dass sie das gleiche geld mit einfacherer arbeit verdienen können.
    die gäste verlangen ständig nach superaltiven, fehlerfreien bestleistungen, ein salto des mitarbeiters vor lauter freude und das alles noch zum kampfpreis auf plattformen wie booking.com etc. und man kann sich die sachen mit nochsovielen leuchtturm – projekten schönreden oder mit auszeichungen und wettbewerben interessant erscheinen lassen. unterm strich müssen mitarbeiter im tourismus viele fähigkeiten haben und werden dafür schlecht bezahlt.
    haben sie ihrem elektrikermeister schon mal gesagt die steckdose möchten sie kostenlos weil der lehrling nicht gegrüßt hat oder dem verkäufer im geschäft gesagt sie wollen einen ein schnapserl aufs haus weil sie schon 15 minuten warten ihre bestellung abzugeben ?
    aber keine angst ein paar industrielle werden schon noch ein hotel oder restrauant als hobby nebenbei aufstellen, weil sie ja immer schon in die gastronomie wollten, ihre eltern aber immer gesagt haben – geh mach doch was gscheites, kellner kannst als student doch nebenbei wenn du lust hast .

    kopf hoch alle miteinander
    euer sepp

  5. Markus Friedl

    Ich gratuliere Ihnen zu Ihnen excellenten Artikel „So geht Hotel heute“! PUNKTLANDUNG.

    Sie haben damit den Nagel auf den Kopf getroffen – leider wird Wertschätzung fast komplett ausgeblendet – und das Prinzig „Fordern und Fördern“ nur allzuwenig bis gar nicht umgesetzt. Man fragt sich außerdem, ob Werte überhaupt noch existent sind. Desweiteren werden häufig nur noch Marionetten gesucht, diesen braucht niemend eine Wertschätzung entgegen zu bringen.
    Kein Wunder also, daß noch mehr Profis „auf der anderen Seite des Tisches Platz nehmen“ oder die Branche gänzlich verlassen.

    1. Jens Diekmann

      Früher hieß es nicht „Fordern und Fördern“, sondern „Dienen kommt vor Verdienen“.
      Daraus folgt die heutige Krux!

  6. Gerhard H.

    Liebe Frau Schade,

    diesem Artikel kann ich nur zustimmen, möchte aber Folgendes noch ergänzen:

    Nach 10 Arbeitsjahren in der Hotellerie (inkl. Ausbildung und Meisterprüfung) und 10 Jahren Globaler Business Travel Agentur, darf ich sagen, daß sich in der Hotellerie (trotz Fachkräftemangel) ein mir nicht nachzuvollziehender Jugendwahn breit gemacht hat. Manchmal frage ich mich, wohin die Älteren“ (ab 40 !) abgewandert sind und vor allem warum. Da Revenue- und Yieldmanagement zur Religion erhoben wurden, sind viele gute Leute anscheinend zu teuer geworden (bei Gehältern welche in der Industrie seit je her ein müdes Lächeln erzeugt haben). In einer Anzeige für einen Hoteldirektor für ein Berliner 4 Sterne Hotel, stand ganz unverhohlen, dass man von Bewerbern bis maximal 35 Jahren ausgeht; eine Aussage, die sogar gegen bestehende Gesetze verstößt, aber offenbar denken viele Unternehmen so.

    Nichts gegen Revenue, die Zahlen eines Unternehmens mussten immer schon stimmen, aber die „billig und willig“ Mentalität ist meiner Meinung nach schlicht weit verbreitet und ich darf für mich behaupten, dass ich von meiner alten Branche ziemlich enttäuscht bin.

    Da ich mich seit Januar beruflich wieder verändern möchte, hatte ich die (wohl irrwitzige) Idee, mich wieder in der Hotellerie zu bewerben. 20-30 % der angeschriebenen Hotels, bzw. Ketten hab nicht einmal geantwortet, auch nicht nach erneutem Nachhaken.

    Überrascht mich der Fachkräftemangel ? Nein.
    Habe ich Mitleid mit der Branche ? Definitv nein !

    Viele Grüße !

  7. Gunter Rick Voigt

    Sehr geehrte Frau Schade,
    Sie blenden in Ihrem Artikel einen wichtigen Aspekt aus, vielleicht auch weil der Artikel sonst zu lange geworden wäre und an Prägnanz verloren hätte. Soll keine Kritik sein, sondern nur ein Vorschlag zur Ergänzung: Es geht um ein Problem, welches schon vor der Entscheidung für oder gegen eine Ausbildung die Weichen stellt. Es ist die Tatsache, dass der Prozentsatz der jungen Menschen, für die eine Ausbildung noch attraktiv ist, stark gesunken ist. Von den wenigen Menschen, die in die Branche gehen, wollen doch die meisten nach dem Abi sofort an die FH oder an die Duale Hochschule. Diejenigen, die nach dem Abi eine Ausbildung durchgezogen haben und danach vielleicht sogar noch ein bis zwei Jahre im Service oder an der Rezeption erste Erfahrungen in einer Festanstellung gesammelt haben, um z. B. danach studieren zu gehen, sind fast völlig weggebrochen!
    Die Akademisierung (mit all ihren Vor- und Nachteilen) schreitet auch in unserer Branche voran. Das Schlimme ist, dass die jungen Menschen ohne akademische Ausbildung kaum noch eine Zukunftsperspektive für sich sehen. Das gilt in unserer Branche nur teilweise, aber das ist die Sichtweise, die Schülerinnen und Schülern an Gymnasien und anderen weiterführenden Schulen vermittelt wird. Wie weit kann man denn heute noch im Berufsleben kommen, ohne akademische Ausbildung, fragen sich die jungen Menschen. Sie planen ihr Leben im Glauben, ohne mindestens einen Bachelor zu haben, nicht mehr ernst genommen zu werden! Das ist einer der großen Faktoren, warum es in unserer Branche an Auszubildenden und damit an Nachwuchs mangelt. Dies gilt übrigens genauso für das Handwerk oder Pflegeberufe und viele andere Berufe.
    Es bleibt zu hoffen, dass die stark akademisch geprägte Ausbildung der Qualität dieser Führungskräfte von morgen zuträglich ist und viele davon den Weg finden in unsere spannende und vielseitige Branche.
    Gunter „Rick“ Voigt

    1. Gerhard H.

      Da stimme ich zu, in so ziemlich jeder Stellenausschreibung sind Ausbildungen an Fachhochschulen oder Universitäten als Einstellungskriterium vorgegeben. „Bachelor-„, „Master-„, etc. Titel scheinen heute als Grundvoraussetzung zu gelten. Eine seltsame Entwicklung, die meiner Meinung nach mit guter und qualifizierter Ausbildung nur sehr bedingt etwas zu tun hat – und noch weniger mit Erfahrung.

  8. Andrea B.

    Ich bin seit über 20 Jahre in der Gastronomie, mein Glaube daran das es besser wird wurde jüngst so tief erschüttert und ich sage ,es wird immer schlimmer.Fünf Vollzeitkräfte, die 100% hinter dem Betrieb standen wurden in Stasi Methode auf die Strasse gesetzt. Der Betrieb wurde verkauft und somit waren unsere Arbeitsplätze weg. Die Rede ist von Führung, ich verurteile die Unternehmer die ohne Rücksicht ihr Ding durchziehen, Existenzen völlig Gleichgültig sind und ohne Sinn und Verstand gute Arbeitskräfte entlassen um dann eine Woche später bei der Jobbörse neue Kräfte suchen.Der Mindestlohn spielt dabei auch eine große Rolle, auch die Tatsache das sich an den Tarifvertrag gehalten werden muss. Mein Vertrauen ist bis ins Mark erschüttert.Wer will für 8,50€ Feiertags; Wochenenden und bis spät in die Nacht malochen??? Dann noch unter katastrophalen Umständen mit cholerischen Chefs.Bitte redet nicht von Führung, die Problematik ist ganz woanders.

  9. Jonathan

    Hallo,
    ich stimme Ihrer Meinung völlig zu. Ich habe schon genügend Vorgesetzte gehabt, die ihre Mitarbeiter wie „Dreck“ behandeln!
    Doch was ich am wichtigsten finde, ist die zu geringe Bezahlung. Man verdient z.B. im ersten Lehrjahr so um die 350-400€, wobei letzteres schon gut ist. Doch die Arbeit die man im Gegenzug leistet, rechnet sich absolut nicht. Und wer will da schon eine Ausbildung absolvieren.
    Große Hotels nutzen die Mitarbeiter schamlos aus. Wozu brauche ich feste Mitarbeiter wenn ich doch z.B. Azubis habe. Eine Freundin ist in der Hauskrankenpflege tätig, verdient so viel wie ein FOM, muss aber bei Weitem nicht diesen Stress aushalten.

  10. stefan

    Hallo,
    wer soll den die Mitarbeiter führen, hegen und „pflegen“? Es werden Vorgesetzte aus Not und Mangel befördert, nach dem Motto hauptsache ist die Stelle besetzt. Diese “ Führungskräfte“ besitzten oft heutzutage noch nicht mal eine fundierte Ausbildung noch irgendwelche Kenntnisse in Personalmanagemt. Andererseits tun dieselben alles dafür, dass fähigere Angestellte wie sie nicht nach oben kommen, mobben, quälen, kündigen diese, um ja nicht ihren Job zu verlieren und das alles unter den Augen Ihrer Chefs.
    Allein der Aufschrei über die „neueingeführte Arbeitszeit-Dokomentationspflicht“ der jetzt durch die Branche rast, zeigt doch schon brutal. dass die meisten Betriebe nicht den Hauch von Interesse an normalen Arbeitszeiten für ihre Mitarbeiter haben. Und dann immer das selbe Mantra wie:
    es geht ja nicht anders, wir können ja nicht, wie sollen wir es machen. Es geht immer anders!!!!
    Ist halt das Problem, wenn Hinz und Kunz nen Betrieb aufmachen darf, obwohl sie absolut keinen Plan haben. Meiner Meinung nach sollte der Meister auch Pflicht in der Gastronomie werden, wenn man eine Gaststätte betreiben will, so wie im normalen Handwerk auch.
    Und mal anders gesehen, wieviele Mitarbeiter im Gastgewerbe müssen noch durch Wohnungsgeld, Sozialhilfe etc. ihr kleines Gehalt durch den Staat aufbessern lassen.
    Vielmehr kann der Staat diese Branche schon garnicht mehr subventionieren.
    Hab gesehen wie hunderte von Mitarbeitern mit 200 Stunden und mehr im Monat mit 1000 € heimgingen. Das nennt man moderne Sklaverei.
    Abschliessend noch die Witzinstitution NGG die z.B. nur einen zuständigen Mitarbeiter für ganz München aufbringt. Sollen sie doch endlich zugeben das sie komplett unfähig sind und sich einer wirklichen mächtigen Gewerkschaft anschließen und nicht auf Kosten ihrer Mitglieder ihr Süppchen kochen.
    Vielen Dank für Ihr Interesse :)))

    1. Pia

      Genau so und nicht anders sieht es aus! Die NGG ist eine absolute Lachnummer, nur traurig, dass es nicht zum Lachen ist. Die Beschäftigten in Hotellerie und Gastronomie wissen gar nicht, was für eine Macht sie hätten – würden nur endlich alle an einem Strang ziehen. Ähnlich wie Streiks von Flugbegleitern kann ein Generalstreik in der Branche enorme n Druck ausüben – unsere Gäste, die meistens ein vielfaches Dessen verdienen, was der freundliche Rezeptionist oder Commis de Rang für das Ertragen der Gästelaunen am Ende bekommen- wollen gut untergebracht und umsorgt sein. Sonst war es das mit Geschäftsreisen zu Meetings wo es um Millionen geht. Geschweige denn mit dem Freizeittourismus. Auch Städte und Tourismusregionen müssen sich in der Mitverantwortung sehen.
      Lange Rede, kurzer Sinn: wir könnten zusammen so stark sein, weil wir, die (noch) Freude an der Branche haben, dringender benötigt werden als je zuvor…

  11. Lena

    Ich habe vor 5 Jahren meine Ausbildung in der Hotellerie absolviert und ich gehöre auch zu denen, die seit knapp drei Jahren der Hotellerie den Rücken gekehrt hat. Ich hole zurzeit mein Abitur nach und möchte noch dieses Jahr mit einem Studium beginnen, natürlich nicht im Tourismus – oder Hotelmanagement Bereich, denn von dieser Branche habe ich genug! Wenn ich an meine Ausbildung zurück denke, frage ich mich heute, wie ich das nur durchziehen konnte. Die Arbeitsbedingungen waren katastrophal, denn ich hatte damals manchmal drei verschiedene Schichten innerhalb einer Woche. Hinzu kamen noch die ständigen unbezahlten Überstunden (manchmal 30 std in der Woche) und der raue respektlose Ton! Welche jungen Menschen schreckt sowas nicht ab?! Die Akademisierung kommt doch davon, dass die Ausbildungen einfach noch nach „alter Schule“ verlaufen und dementsprechend unattraktiv gestaltet sind. Die Jugend und heutige Generation hat eben andere Vorstellungen von ihrem Arbeitsleben als die Menschen zur damaligen Zeit. Viele Ausbildungsbetriebe konnten sich eben bis heute nicht der Zeit anpassen, was vor allem die Arbeitsbedingungen betrifft. Nach meiner Ausbildung war ich eine Fachkraft aber davon hab ich nichts gespürt. Ich wurde mit niedrigen Löhnen abgespeist und die Arbeitsbedingungen waren nach wie vor Menschenunwürdig! Jedes Wochenende gearbeitet manchmal 15 std an einem Samstag , Teildienste gehabt oder gar 14 Tage am Stück gearbeitet. Das Gehalt dagegen war ein Witz. Wer dort bleibt, ist selbst Schuld. Wer kann mit solchen Arbeitsbedingungen eine Familie gründen?! Ich sehe aber die Schuld nicht nur bei den Betrieben, sondern auch bei der Politik. Seid Jahren ist die Hotellerie in Kritik, doch gebessert hat sich bis heute nichts, trotz der hohen Abbrecher Zahlen während der Ausbildung und dem Fachkräftemangel. Die Arbeitsbedingungen sind nicht verändert bzw angepasst worden, obwohl die Hotellerie in der Pflicht ist, dies zu tun! Zum Teil sind manche Klauseln in Arbeitsverträgen gegen das Gesetz und noch immer gibt es aber diese Verträge.
    (Bsp. Die Überstunden sind mit dem Arbeitslohn abgegolten, die pure Ausbeute). Wenn wundert es also, dass ehemalige hoch motivierte Leute der Gastro den Rücken kehren?! Die Zukunft für diese Branche sieht düster aus – und das zurecht! Ich bedauere es, soviel Zeit mit dieser Branche zu verschwendet haben! Und ich rate jedem jungen motivierten Menschen davon ab, in dieser Branche Fuß zu fassen! Von mir aus kann diese Branche unter gehen, vielleicht ist dies der einzige Weg, um faire Bezahlung, menschenwürdige Arbeitsbedingungen und respektvoller Umgang zu schaffen, denn bis heute sehe ich nichts davon.

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